{"id":1425,"date":"2010-07-29T09:56:17","date_gmt":"2010-07-29T07:56:17","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1425"},"modified":"2010-07-29T11:37:13","modified_gmt":"2010-07-29T09:37:13","slug":"der-neue-ghibli-film-karigurashi-no-arietti-im-kino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1425","title":{"rendered":"Der neue Ghibli-Film: Karigurashi no Arietti im Kino"},"content":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich rothaarig, sportlich und gutaussehend: das ist Arietti, die Heldin des neuen Films aus dem Studio Ghibli, der am 17. Juli in den japanischen Kinos angelaufen ist. Heute habe ich ihn mir im Cinemacity in Tachikawa angesehen. Das Kino war gut gef\u00fcllt, wenngleich sich der Andrang in Grenzen hielt; vermutlich, weil der Regisseur eben nicht Miyazaki Hayao hie\u00df, sondern Yonebayashi Hiromasa &#8212; der j\u00fcngste Regisseur eines Ghibli-Films \u00fcberhaupt. Allerdings hat Miyazaki die Produktion \u00fcberwacht. Am ersten Kinotag hatte er &#8222;nur&#8220; 680.000 Zuschauer, das waren rund 83 % der Ersttagsbesucher von &#8222;Ponyo&#8220; 2008. Die Millionengrenze erreichte der Film nach drei Tagen.<br \/>\nYonebayashi hat seine Sache gut gemacht. Die Bilder sInd sch\u00f6n, die Handlung hat viele spannende Momente, der Film ist nach dem Urteil meines 16-j\u00e4hrigen Sohnes nicht nur f\u00fcr Kinder wie (seiner Meinung nach) &#8222;Ponyo&#8220;. Allerdings wird der Experte viele Elemente wiederfinden, die er aus anderen Ghibli-Filmen so \u00e4hnlich schon kennt &#8212; so da\u00df der ganz gro\u00dfe \u00dcberraschungseffekt ausbleibt. Der junge Sh\u014d, mit dem sich die fast 14-j\u00e4hrige Arietti anfreundet, sieht aus wie Seiji in &#8222;Mimi wo sumaseba&#8220; (er soll aber sein Vorbild in seinem Synchronsprecher Kamiki Ry\u016bnosuke haben, der als Kind selbst schwerkrank war und \u00fcbrigens die Stimme von Markuru in &#8222;Hauru no ugoku Shiro&#8220; \u00fcbernahm), Katze und Kr\u00e4he k\u00f6nnten auch aus &#8222;Neko no ongaeshi&#8220; stammen &#8212; und manchmal erinnert Ariettis Umgang mit der Katze an Meis Begegnung mit dem Katzenbus aus &#8222;Totoro&#8220;.<br \/>\nEs ist wIeder ein Film \u00fcber die Familie geworden, auf beiden Seiten: Ariettis Familie, die zu der vom Aussterben bedrohten Gattung der Zwerge geh\u00f6rt, k\u00e4mpft seit Generationen um ihr \u00dcberleben. Sh\u014ds Familie hingegen ist, ganz modern, zerfallen. Seine Eltern sind geschieden, seine Mutter schickt ihn, der seit Geburt an einem Herzfehler leidet, kurz vor einer lebenswichtigen Operation allein zu seiner Gro\u00dftante. So lebt der &#8222;normale&#8220; Mensch in Wohlstand und \u00dcberflu\u00df (seine Gro\u00dftante f\u00e4hrt einen Mercedes), hat aber Angst vor dem Tod und ist einsam. Die Zwergenfamilie dagegen h\u00e4lt unverbr\u00fcchlich zusammen, auch wenn sie st\u00e4ndig in Angst vor Entdeckung und gewaltsamem Tod durch Menschen oder Tiere steht. Im Film wie in der Romanvorlage von Mary Norton von 1952 verlieren die tapferen Zwerge ihr Heim.<br \/>\nArietti aber schlie\u00dft Freundschaft mit Sh\u014d, dessen Herz zwar krank, aber dennoch gut ist. Als sie sich trennen m\u00fcssen, tr\u00f6stet Sh\u014d sich und sie damit, da\u00df sie nun f\u00fcr immer ein Teil seines Herzens sein werde. Nun will auch er um sein Leben k\u00e4mpfen.<br \/>\nNicht immer folgt der Film der Vorlage. Die Handlung ist im Japan der Gegenwart angesiedelt (genauer gesagt: in Koganei, wo sich das Studio Ghibli befindet), nicht in England. Und Sh\u014d liest im Bett ein Buch, das zeigt, welche andere gro\u00dfe Vorlage in diesen poetischen, anr\u00fchrenden Film verwoben ist: Frances Hodgson Burnetts &#8222;Der geheime Garten&#8220; von 1909. Arietti liebt Blumen, ganz \u00e4hnlich wie Nausicaa, und sie gibt ihrem Freund neuen Lebensmut. Der Vater aber, der bei Burnett am Ende zu seinem Sohn zur\u00fcckfindet: er wird nie kommen. Die Familie, die in Freud und Leid zusammenh\u00e4lt, gibt es nur noch in der geheimen Welt der Zwerge. Wer ihrem Geheimnis nicht begegnet, wird krank am Herzen bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich rothaarig, sportlich und gutaussehend: das ist Arietti, die Heldin des neuen Films aus dem Studio Ghibli, der am 17. Juli in den japanischen Kinos angelaufen ist. Heute habe ich ihn mir im Cinemacity in Tachikawa angesehen. 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