{"id":1400,"date":"2010-04-11T13:33:42","date_gmt":"2010-04-11T11:33:42","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1400"},"modified":"2010-04-11T13:35:25","modified_gmt":"2010-04-11T11:35:25","slug":"monokultur-in-der-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1400","title":{"rendered":"Monokultur in der Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Hier noch ein luzider, unbedingt lesenswerter Beitrag zum Thema &#8222;Mehrsprachigkeit in der Wissenschaft&#8220; aus einem neutralen Blickwinkel (die drei Verfasser sind Schweizer):<\/p>\n<blockquote><p>Wenn Sprache als blo\u00dfes Werkzeug der Ideen- und Informationsvermittlung gesehen wird, das auf transparente Weise ein getreues Abbild der Natur vermittelt, kann man sich in der Tat \u00dcberlegungen zu Wahl und Verwendung von Sprachen im Wissenschaftsbetrieb getrost sparen.<br \/>\nL\u00e4sst man das Instrument der Kommunikation als solches au\u00dfer Acht, gibt man sich jedoch der Illusion bzw. dem <strong>Mythos des transparenten Wissenschaftsdiskurses<\/strong> hin, d.h. man spricht diesen Erkenntnisobjekten v\u00f6llige Unabh\u00e4ngigkeit von der Sprache zu &#8212; als ob die Objekte in gewisser Weise f\u00fcr sich selbst sprechen k\u00f6nnten.<br \/>\nDementsprechend l\u00e4sst sich die geringe Aufmerksamkeit bzw. der geringe Wert verstehen, den man der Wahl der Verkehrssprache bemisst <em>(sic)<\/em>, wenn diese lediglich als blo\u00dfes Werkzeug f\u00fcr die \u00dcbermittlung von sprachunabh\u00e4ngiger Information gesehen wird. Ist das angestrebte Ziel ein m\u00f6glichst effektiver, einfacher und wirtschaftlicher Austausch von Information, scheint sich Englisch dann in der Tat als <em>lingua franca<\/em> aufzudr\u00e4ngen. Dabei wird jedoch au\u00dfer Acht gelassen, dass Englisch, als die Sprache des kleinsten gemeinsamen Nenners, oft nur ein minimales Verst\u00e4ndnis gew\u00e4hrleistet und ganz automatisch zu lediglich vordergr\u00fcndiger &#8212; falscher &#8212; Augenscheinlichkeit und zum <strong>Mythos von wechselseitiger Verst\u00e4ndigung<\/strong> f\u00fchrt.<br \/>\nJeder geht von seinen eigenen Vorstellungen aus, im Glauben, dass sie universelle Geltung haben &#8212; solange kein Anlass besteht, sie zu hinterfragen. Und genau solche Anl\u00e4sse laufen Gefahr, langfristig unter dem Einfluss von Einsprachigkeit und Monokultur zu verschwinden.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Georges L\u00fcdi, Kurt Seelmann, Beat Sitter-Liver: <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Sprachenvielfalt-Kulturfrieden-Sprachminderheit-Einsprachigkeit-Mehrsprachigkeit\/dp\/3170203630\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1270985682&#038;sr=8-1\">Sprachenvielfalt und Kulturfrieden<\/a>. Stuttgart: Kohlhammer 2008, S. 192<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier noch ein luzider, unbedingt lesenswerter Beitrag zum Thema &#8222;Mehrsprachigkeit in der Wissenschaft&#8220; aus einem neutralen Blickwinkel (die drei Verfasser sind Schweizer): Wenn Sprache als blo\u00dfes Werkzeug der Ideen- und Informationsvermittlung gesehen wird, das auf transparente Weise ein getreues Abbild der Natur vermittelt, kann man sich in der Tat \u00dcberlegungen zu Wahl und Verwendung von Sprachen im Wissenschaftsbetrieb getrost sparen. 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