{"id":14,"date":"2007-08-11T16:00:20","date_gmt":"2007-08-11T15:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.japankunde.de\/kotoba\/?p=14"},"modified":"2023-02-16T12:21:45","modified_gmt":"2023-02-16T11:21:45","slug":"jedes-topfchen-hat-sein-kanjichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=14","title":{"rendered":"Jedes T\u00f6pfchen hat sein Kanjichen \u2026"},"content":{"rendered":"<p>Lange habe ich mich gefragt, aus welcher Sprache wohl der Name der in der s\u00fcdostasiatischen K\u00fcche so unvermeidlichen und nun auch in deutschen Haushalten weitverbreiteten Riesenpfanne herkommt, also <em>Wok<\/em>. Es ist kantonesisch, wie ich dann erfahren habe. Auf japanisch nennt man sie &#8222;chinesischen Topf&#8220;, <em>ch\u016bka nabe<\/em>. So weit, so trivial.<\/p>\n<p>Aber interessanter war die Frage, mit welchem Schriftzeichen <em>wok<\/em> wohl zu schreiben ist. Die Antwort lautet:<\/p>\n<h1 class=\"firstHeading\" align=\"center\">\u944a<\/h1>\n<p>Und das bringt Japanischsprecher schon eher in Verlegenheit. Denn das Zeichen ist im Japanischen nicht in Gebrauch. Anders, als man in Analogie zu \u8b77 (<em>go<\/em>) schlie\u00dfen k\u00f6nnte, mit dem es sich die lautbestimmte &#8222;rechte H\u00e4lfte&#8220; teilt, wird es n\u00e4mlich <em>waku <\/em>oder <em>yaku <\/em>gelesen. <em>Waku<\/em> klingt schon sehr nach <em>wok<\/em>. Im Mandarin hat sich die Lautung \u00fcber <em>huak <\/em>und <em>huok <\/em>zum heutigen <em>huo <\/em>entwickelt. Woraus wir schlu\u00dffolgern, da\u00df die Japaner das Schriftzeichen sehr fr\u00fch, sp\u00e4testens bis zur Tang-Zeit, kennengelernt haben. Zu dieser Zeit hatte sich das so \u00e4hnliche \u8b77, das urspr\u00fcnglich <em>huag <\/em>lautete, bereits in <em>ho <\/em>gewandelt (und kam in Japan als <em>go <\/em>an). Heute wird es auf Mandarin <em>hu <\/em>ausgesprochen; auf Kantonesisch lautet es <em>wu<\/em>.<\/p>\n<p>Spannend ist auch, da\u00df die Japaner mit dem Wok in ihrer eigenen E\u00dfkultur offenbar nichts anfangen konnten. Offenbar besa\u00dfen sie keine Gro\u00dfk\u00fcchen, f\u00fcr die sich der Einsatz eines solchen Kochger\u00e4ts wirklich gelohnt h\u00e4tte &#8230;<\/p>\n<p>Wer \u00fcbrigens kantonesische und Mandarin-chinesische Lautungen recherchieren will, sollte <a href=\"http:\/\/www.mandarintools.com\/chardict.html\">hierhin<\/a> blicken. \u00dcber Woks erf\u00e4hrt man einiges bei <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Wok\">Wikipedia<\/a> (in allen interessierenden Sprachen). Und f\u00fcr das Zeichenidentifizieren und die chinesische Sprachgeschichte hinter den Zeichen verlasse ich mich immer noch auf das <a href=\"http:\/\/wine.wul.waseda.ac.jp\/search*jpn\/i?SEARCH=4050515423\">Gakken Kanwa Daijiten<\/a> von 1980 (solange ich noch keinen <a href=\"http:\/\/wine.wul.waseda.ac.jp\/search*jpn\/t%7B213925%7D%7B214857%7D%7B213577%7D%7B275b60%7D%7B21332c%7D\/t%7B213925%7D%7B214857%7D%7B213577%7D%7B215b60%7D%7B21332c%7D\/1%2C19%2C47%2CB\/frameset&amp;FF=t%7B213925%7D%7B214857%7D%7B213577%7D%7B215b60%7D%7B21332c%7D&amp;1%2C1%2C\">Morohashi<\/a> zuhause habe).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange habe ich mich gefragt, aus welcher Sprache wohl der Name der in der s\u00fcdostasiatischen K\u00fcche so unvermeidlichen und nun auch in deutschen Haushalten weitverbreiteten Riesenpfanne herkommt, also Wok. Es ist kantonesisch, wie ich dann erfahren habe. Auf japanisch nennt man sie &#8222;chinesischen Topf&#8220;, ch\u016bka nabe. 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