{"id":1180,"date":"2009-12-11T16:47:59","date_gmt":"2009-12-11T15:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1180"},"modified":"2009-12-11T17:00:14","modified_gmt":"2009-12-11T16:00:14","slug":"die-ermordung-des-seminars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1180","title":{"rendered":"Die Ermordung des Seminars"},"content":{"rendered":"<p>Nur fassungslos kann man die &#8222;Ergebnisse der 328. Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz am 10. Dezember 2009&#8220; zur Kenntnis nehmen. Die Kultusminister fordern in \u00dcbereinstimmung mit den deutschen Hochschulrektoren \u00c4nderungen an Bachelor- und Masterstudieng\u00e4ngen, die gr\u00f6\u00dfere Studierbarkeit gew\u00e4hrleisten sollen. Im selben Atemzug ermorden sie ein Kernst\u00fcck der deutschen akademischen Tradition: das Seminar.<br \/>\nIn der zugeh\u00f6rigen <a href=\"http:\/\/www.kmk.org\/presse-und-aktuelles\/meldung\/ergebnisse-der-328-plenarsitzung-der-kultusministerkonferenz-am-10-dezember-2009.html\">Presseerkl\u00e4rung<\/a> der KMK hei\u00dft es, Module (Kernst\u00fccke der Studienorganisation seit Bologna, die den Ausschlag f\u00fcr die Benotung der Studierenden bilden) seien<\/p>\n<blockquote><p>thematisch und zeitlich abgerundete, in sich geschlossene und mit Leistungspunkten belegte Studieneinheiten &#8230; Sie k\u00f6nnen sich aus verschiedenen Lehr- und Lernformen zusammensetzen (z. B. <strong>Vorlesungen, \u00dcbungen, Praktika, E-Learning, Lehrforschung etc.<\/strong>). Zur Reduzierung der Pr\u00fcfungsbelastung werden Module in der Regel nur mit einer Pr\u00fcfung abgeschlossen, deren Ergebnis in das Abschlusszeugnis eingeht. In besonders begr\u00fcndeten F\u00e4llen k\u00f6nnen auch mehrere Module mit einer Pr\u00fcfung abgeschlossen werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>In der heutigen Berichterstattung der deutschen Medien ist diese Formel teilweise noch verk\u00fcrzt worden, z.B. in der &#8222;FAZ&#8220;: Module best\u00fcnden aus &#8222;Vorlesungen, \u00dcbungen, Praktika&#8220;.<br \/>\n<strong><scan style=\"color:red;\">Das Seminar ist aus dem Denken der KMK verschwunden. Es spielt in den bildungspolitischen Er\u00f6rterungen offenbar keine Rolle mehr! Die folgenreichste und international erfolgreichste Innovation der deutschen Universit\u00e4t des 19. Jahrhunderts ist abgeschrieben!<\/scan><\/strong> Die Logik dahinter ist: Humboldt und Ranke sind tot &#8212; und mit ihnen sei jetzt auch das Seminar begraben.<br \/>\nUnd warum? Weil das Seminar nicht in das Konzept der Verschulung pa\u00dft. Weil man die Leistungen in einem Seminar nicht in Modulabschlu\u00dfpr\u00fcfungen &#8212; also Massenklausuren mit Ankreuzsystem &#8212; bewerten kann. Weil es in einem Seminar auf ein halbes Jahr kontinuierlicher gemeinsamer Denk-Arbeit ankommt. Und das soll, so mu\u00df man jetzt schlie\u00dfen, nach Bologna nicht mehr z\u00e4hlen.<br \/>\nUnd so wird der 10. Dezember 2010 als der Tag in die Wissenschaftsgeschichte eingehen, an dem die letzten Rest der deutschen Idee der Universit\u00e4t zu Grabe getragen wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur fassungslos kann man die &#8222;Ergebnisse der 328. Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz am 10. Dezember 2009&#8220; zur Kenntnis nehmen. Die Kultusminister fordern in \u00dcbereinstimmung mit den deutschen Hochschulrektoren \u00c4nderungen an Bachelor- und Masterstudieng\u00e4ngen, die gr\u00f6\u00dfere Studierbarkeit gew\u00e4hrleisten sollen. 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