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Neue Bilder aus dem Yushima Seidō

2016 hatte ich Filmaufnahmen aus Tōkyōs einzigem konfuzanischen Tempel, dem Yushima Seidō 湯島聖堂 in Ochanomizu 御茶ノ水, hier vorgestellt. In diesem Sommer ging ich noch einmal hin (es ist tatsächlich seit langem einer meiner Lieblingsorte in Tōkyō) und hatte diesmal Gelegenheit, das Innere der normalerweise verschlossenen Halle des Großen Werdens zu betreten. Dies nahm ich zum Anlaß, meinen Yushima-Film grundlegend zu überarbeiten und auch mit gesprochenen Erläuterungen zu versehen. Die neue Version (mit deutschen und englischen Untertiteln) findet sich unter:

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Angel Road: Für Paare — aber nur bei Ebbe

In Tonoshō, der kleinen Hafenstadt auf der Insel Shōdoshima in der Seto-Inlandssee, findet sich ein Sandstrand, der nur bei Ebbe zugänglich ist und die Insel mit drei kleinen vorgelagerten Inselchen verbindet. Findige Tourismusexperten haben den Strand mit dem Namen „Angel Road“ versehen und zum Ausflugsziel für Liebespaare erklärt: Wer ihn Hand in Hand beschreitet, über den wird seinerseits der Boddhisatva Jizō, vertreten durch eine kleine Stele, seine hütende Hand halten.

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Die Kanka-Schlucht auf Shōdoshima

Die nördlich von Shikoku gelegene Insel Shōdoshima 小豆島 ist mit 153 km2 gar nicht einmal so klein: Sie liegt der Fläche nach insgesamt an 19. Stelle aller japanischen Inseln und ist nach Awajishima die zweitgrößte Inseln in der Seto-Inlandssee. Historisch und touristisch bekannt ist sie vor allem durch die Kanka-Schlucht (Kankakei 寒霞渓), die seit dem Altertum zu den drei schönsten Schluchten Japans gezählt wird. Ein Besuch dort verrät, warum. Ich empfehle, die Untertitel (deutsch oder englisch) einzuschalten.

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Ein Rundgang: Die Sazaedō-Pagode in Aizu-Wakamatsu

In der Burgstadt Aizu-Wakamatsu in der Provinz Fukushima befindet sich die Kreiselschnecken-Pagode (Sazaedō 栄螺堂), eines der bemerkenswertesten Bauwerke der Edo-Zeit. Über die Architektur hinaus ist sie aber auch kulturgeschichtlich interessant. Abgesehen davon, daß es schlicht Spaß macht, ihre originelle Doppelhelix-Treppe auf- und abzugehen.

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Jongdari: Ein Taifun als Fragezeichen

Natürlich sind Japaner an Taifune gewöhnt; sie kommen regelmäßig übers Land. Im allgemeinen entstehen sie nahe dem Äquator südöstlich von Japan, rücken dann nach Nordwesten vor und ziehen entweder an Japan vorbei oder fallen ins Land ein, bevor sie Richtung Osten abziehen.
Ende Juli 2018 war dies anders. Am 22. Juli meldete das US-amerikanische Taifunwarnzentrum eine Tropische Depression (die mögliche Vorstufe eines Taifuns) westlich von Guam, etwa 1500 km südöstlich von Okinawa. Am 23. wurde klar, daß sie sich nicht Richtung Okinawa, sondern nach Osten entwickelte und dort möglicherweise als Taifun in Tōkyō ankommen würde. Am 24. wurde klar, daß noch gar nichts klar war: Die Vorhersagen für das Auftreffen an Land schwankten zwischen der Kantō-Region mit Tōkyō und dem äußersten Nordosten der Insel Honshū. Am 25. wurde der Wind zu einem Tropischen Sturm aufgewertet und erhielt den internationalen Namen Jongdari, das koreanische Wort für „Feldlerche“. In Japan nannte man ihn Taifun Nr. 12. Man rechnete damit, daß er zur stärksten oder zweitstärksten Sturmkategorie gehören würde. Entsprechend wurden Warnungen in Japan ausgegeben. Als „Aufschlagsort“ sah man jetzt die Region um Tōkyō an. Am 26. Juli änderte sich dies jedoch: Nun wurde die Izu-Halbinsel als gefährdet angesehen, mithin die Region um Shizuoka und Hamamatsu. Der Sturm würde, so rechnete man, Honshū Richtung Korea überqueren und dann auf die koreanische Halbinsel auftreffen. Im Zentrum Honshūs rechnete man mit dem Schlimmsten.
Es kam jedoch ganz anders. In der Nacht des 29. Juli traf Jongdari auf der Halbinsel Shima nahe Ise auf Land, also weitab von Tōkyō oder Shizuoka. Es gab in der Region der japanischen Inlandssee zwei Dutzend Verletzte, heftigen Regen und Stromausfälle, zahlreiche Fähr- und Flugverbindungen wurden eingestellt. Doch insgesamt waren Windgeschwindigkeit und Zerstörungskraft des Sturms deutlich niedriger als befürchtet. Fein, dachte man, dann würde er noch ein bißchen über Kyūshū hinwegziehen und sich Richtung China in ein, zwei Tagen auflösen. Man stufte Jongdari wieder zu einer Tropischen Depression herab.
Aber das war voreilig. Tatsächlich gab es Vorhersagen, die damit rechneten, daß Jongdari sich südwestlich von Kyūshū in einer Schleife bewegen und damit zu neuer Kraft kommen würde. Das erschien völlig absurd und nie dagewesen — doch genau so kam es. Am 31. Juli war Jongdari wieder als Sturm anerkannt. Er bewegte sich jenseits aller meteorologischen Spielregeln um die Südspitze Kyūshūs herum ostwärts, löste dort und auf Shikoku nochmals heftigen Regen aus, wechselte abrupt bei den Inseln Yakushima und Tanegashima erneut seine Richtung, zog nochmals südlich von Kyūshū vorbei und endlich nach China weiter, wo er nahe Shanghai als Tropische Depression ankam.
Auf der Landkarte ähnelt die Route von Jongdari also einem riesigen Fragezeichen.
Route des Taifuns Jongdari 2018
Das Fragezeichen bildete sich auch im Kopf der Japaner, die so etwas noch nie erlebt hatten. Für dieses extrem seltene Phänomen erfand man deshalb den Begriff „gegenläufiger Taifun“ (逆走台風 gyakusō taifū). Als wissenschaftliche Erklärung gilt, daß ein pazifisches Hoch und ein tibetisches Hoch stabil über Japan lagen, während ein Höhenzyklon mit Kaltluft („cold-core low“) als Tiefdruckgebiet von Hokkaidō nach Süden strömte. Dadurch wurde Jongdari gegen den Uhrzeigersinn abgelenkt. Verwirrung also überall.

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Tōkyōs Medizinische Universität diskriminiert Bewerberinnen

Mindestens seit 2006 hat die renommierte private Medizinische Universität Tōkyō (東京医科大学 Tōkyō Ika Daigaku) Frauen, die sich um einen Studienplatz in Medizin bewarben, systematisch benachteiligt: Ihnen wurden bei den Eingangsprüfungen automatisch 10-20 Prozent von ihrem Testergebnis abgezogen. Auf diese Weise wollte die Hochschule den Anteil von Männern unter ihren Studenten erhöhen. Er betrug seit dieser Zeit rund 70 %. Zur Begründung hieß es, viele Frauen würden den Arztberuf ohnehin aufgeben, sobald sie Kinder zur Welt brächten, und sie seien für anstrengende Nacht- und Dauereinsätze nicht geeignet. Vertreter von Regierung, Opposition und Ärzteverbänden kritisierten dieses Verfahren als illegale Diskriminierung. Zugleich wurde bekannt, daß Kandidaten, die der Universität zuvor Spenden geleistet hatten, bevorzugt wurden. Gegen mehrere Verantwortliche laufen deshalb Ermittlungen wegen Bestechlichkeit.
Bei einer Umfrage unter Ärztinnen äußerten allerdings viele „ein gewisses Verständnis“, denn die Arbeitsbedingungen seien so hart, daß viele Frauen gesundheitliche Probleme erlitten.

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