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Ein Gedächtnisblitz: Obama nach Hiroshima?

Issey Miyake
Der weltbekannte Designer Issey Miyake 三宅一生 hat als Kind den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima überlebt und dabei seine Mutter verloren. Nun wünscht sich der 71jährige, daß US-Präsident Barack Obama an den Gedächtnisfeiern in Hiroshima teilnimmt — was bislang noch kein amerikanischer Präsident gewagt hat. In einem Artikel für die „New York Times“ unter dem Titel „A Flash of Memory“ schildert er, daß ihn noch jetzt die Erinnerung an das Geschehen verfolgt:

When I close my eyes, I still see things no one should ever experience: a bright red light, the black cloud soon after, people running in every direction trying desperately to escape — I remember it all.

Er hoffe aber, daß Obama eine Einladung zur Feier am 6. August nach Hiroshima annehmen werde „to give a sign to the world that the American president’s goal is to work to eliminate nuclear wars in the future“.
Mit diesem Artikel erinnert Miyake an Obamas Prager Rede zur Ächtung der Nuklearwaffen vom 5. April 2009, in der Obama davor gewarnt hatte, mit diesen Waffen könne man „in a single flash of light“ ganze Städte auslöschen — und in der er erstmals eine schwache Form von moralischem Schuldbekenntnis für Hiroshima und Nagasaki formuliert hatte:

As the only nuclear power to have used a nuclear weapon, the United States has a moral responsibility to act.

Das ist wenig, aber immerhin genug, um Miyakes Hoffnung auf einen Besuch Obamas in Hiroshima Auftrieb zu geben. Es wäre ein gutes Zeichen, gerade im Angesicht der nuklearen Bedrohung aus Nordkorea.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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