Artikelformat

Zwei Drittel der Japaner lehnen Olympische Spiele ab

Etwas mehr als einen Monat vor der Eröffnung der 32. olympischen Sommerspiele, die am 23. Juli 2021 in Tōkyō stattfinden soll, sind 42 % der Japaner „wenig“ und weitere 27 % „gar nicht“ überzeugt davon, daß sie sinnvoll sind. Dies ergab eine Meinungsumfrage des Staatssenders NHK, die am 14.6.2021 veröffentlicht wurde. 31 % wollen, daß die Spiele abgesagt werden; 29 % wollen sie nur ganz ohne Zuschauer und 32 % wollen sie nur mit Zuschauerbegrenzung stattfinden sehen.
In den Augen der Öffentlichkeit gibt es zur Zeit offenbar Wichtigeres und Dringenderes. 65 % der Japaner halten die Impfkampagne gegen Covid-19 für zu langsam, 58 % sind mit der Art, wie die Regierung mit Corona umgeht, nicht einverstanden. 4 von 5 Japanern machen sich wegen Corona Sorgen. Deshalb leidet offenbar auch das Ansehen der Regierung: 45 % der Befragten lehnen die jetzige Regierung unter Ministerpräsident Suga ab, so viele wie noch nie seit seinem Amtsantritt im Oktober 2020. Damals unterstützten noch 55 % der Japaner Suga, heute sind es nur noch 37 %.
So erklärt sich, daß die Oppositionsparteien jetzt ein Mißtrauensvotum gegen Suga ins Parlament eingebracht haben; sie hoffen, bei eventuellen Neuwahlen von der Unzufriedenheit der Japaner mit ihrer Regierung profitieren zu können.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

Drucken / Print / 印刷

Kommentare sind geschlossen.