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Neuer Akt der Zensur: Staatliche Zuschüsse für Ausstellung in Aichi gestrichen

Am 26. September veröffentlichte die japanische Agentur für kulturelle Angelegenheiten (Bunkachō 文化庁), eine Tochter des Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie, ihre Entscheidung, die finanzielle Unterstützung für die diesjährige Aichi Triennale, eines der größten internationalen Kunstfestivals in Japan, vollständig zu streichen. Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem die auf der Triennale ausgestellte Ausstellung am 4. August 2019 nach nur drei Tagen geschlossen werden mußte, da das Büro der Triennale gewaltsam bedroht worden war, einschließlich Ankündigung von Terrorakten, weil die Ausstellung einer „Trostfrau“ eines südkoreanischen Künstlers angeblich die Gefühle des japanischen Volkes verletzte. Der Bürgermeister der Stadt Nagoya forderte, daß die öffentliche finanzielle Unterstützung von der Triennale zurückgezogen werde. Die Agentur hatte ursprünglich zugestimmt, die Triennale mit 78 Millionen Yen (ca. 724 Tsd. USD) zu unterstützen.
Die Agentur behauptet nun, dass die Organisatoren der Triennale,
„in Bezug auf die Ausstellung, trotz der Kenntnis wichtiger Tatsachen, die die Sicherheit der Ausstellungshalle, einschließlich der Besucher, und den reibungslosen Betrieb des Geschäfts bedrohten, die Entscheidung über die Förderfähigkeit [für die Unterstützung durch die Agentur] ohne Angabe dieser Tatsachen erhielten. Nachdem sie einen Zuschußantrag gestellt hatten, erklärten sie diesen Sachverhalt erst, als sie in der anschließenden Screening-Phase eine Anfrage von der Agentur für kulturelle Angelegenheiten erhielten.“
Der Kultusminister hat seitdem bestritten, daß die (äußerst seltene) Entscheidung, die Unterstützung zu streichen, mit dem Inhalt der Ausstellung zusammenhänge und daher als Zensur gelten könne.
Der Gouverneur von Aichi nannte diese Entscheidung jedoch „einen schwerwiegenden Verstoß gegen Artikel 21 der japanischen Verfassung“, der die Meinungsfreiheit garantiert, und kündigte an, gerichtliche Schritte einzuleiten.
Japanische Künstler und Medien standen der Entscheidung der Agentur ebenfalls sehr kritisch gegenüber. Die Asahi Shimbun bemerkte, daß sie „international zu Mißtrauen und Verachtung gegenüber der japanischen Kulturverwaltung führen kann“. Die Mainichi Shimbun forderte, daß „die politische Macht nicht in der Lage sein sollte, Ausstellungsinhalte und Werke durch Subventionsentscheidungen auszuwählen“.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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