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Verbalinjurien

Zu den Segnungen des Internetzeitalters gehören die maschinellen Übersetzungen, die jedem Anbieter ungetrübt von jeder Sprachkenntnis in allen möglichen Sprachen zu kommunizieren ermöglichen. Ein Dienstleister für weltweite WiFi-Netze bringt es daher fertig, ein deutsches „Menü“ zur Kundenregistrierung anzubieten, das mit folgenden Eingabefeldern aufwartet:

„Berechnende Adresse“ — „Rechnung Zustand“ — „Rechnung Reißverschluß“.

Das erste mag man noch als „Rechnungsanschrift“ erkennen. Beim zweiten muß man schon wissen, daß hier das englische Wort „State“ (mit großem „S“) zugrundeliegt, also „(Bundes-) Staat“ gemeint ist. Und das dritte ist eine Maschinenübersetzung für „ZIP“ (also den amerikanischen Postleitzahlencode).
Insgesamt tut das so weh, daß man es nur als Verbalinjurien („verbal injures“) bezeichnen kann …

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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