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Talentfreier Rassismus: Die F.A.Z. wird lustig

Im deutschen Sommer 2018 lautet das medienleitende Stichwort zweifellos „Rassismus“. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen alte und neue Migranten. Die Debatte wird mit vielen und großen Worten geführt.
Darüber gerät allerdings sozusagen die Kleinform des Rassismus aus den Augen, die viel bescheidener daherkommt und sich nur bei näherem Hinsehen zu erkennen gibt.
Seit Jahren gibt z.B. das Feuilleton der ehrwürdigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung immer wieder den ebenso talentfreien wie witzlosen Comics des Zeichners Volker Reiche weiten Raum, der eine Vergangenheit in Diensten Donald Ducks und der Hörzu hinter sich hat. Der Donaldismus hat in der FAZ eine starke Lobby, ergo spendiert die FAZ dem Reiche-Comic Strizz gern eine halbe Seite in Farbe. Hauptfiguren sind ein Kater mit Hitlerbärtchen und ein Hund, deren Dialoge in makellosem Feuilleton-Deutsch wohl das geistige Zeitgeschehen im gegenwärtigen Deutschland karikieren sollen.
In der Folge vom 22. Juni 2018 erschien nun als neue Figur ein japanischer Pflegeroboter mit Namen Akito. Er nervt die übrigen Tiere mit humorlosen Datenanalysen. Aber was besonders auffällt: Als einzige Figur in diesem Comic spricht er fehlerhaftes Deutsch. Das klingt dann so:1

Akito kann suchen. Aber hat kein Modul für Bluttransfusion. Akito bitten sehr um Vergebung. Wiff!

Oh wie lustig, und das eine halbe Zeitungsseite lang! Ein japanischer Roboter, der nur radebrechen kann! Wann hat man solch geistreichen antijapanischen Rassismus wohl zum letzten Mal in einem westlichen Comic gelesen? In Hergés Tim und Struppi?2 Oder vielmehr in Uderzos Asterix und Obelix?3
Mein entsprechender Leserbrief an die FAZ wurde erwartungsgemäß nicht veröffentlicht. Statt dessen erschien ein paar Tage später, wie bestellt, eine lobhudelnde Zuschrift auf den Comic.
Und dann passierte etwas Wundersames — in der Ausgabe vom 3. Juli 2018 konnte Akito nämlich plötzlich akzentfrei sprechen! Das hörte sich dann so an:4

Die untersuchte Katze leidet unter starken Ängsten, verbunden mit einem heftigen Gefühl der nationalen Kränkung, ausgelöst durch den Schock von Kasan. Darüberhinaus ist eine gewisse Neigung zu wahnhafter Islamophobie festzustellen.

Ganz geheilt war der Japaner zwar noch nicht („Japan ganz vorn im Bau von Pflege-Robotern!“), aber seine Lernfortschritte waren unübersehbar.
Da rede noch einmal jemand über die Abgehobenheit unserer Feuilleton-Eliten! Nein — sie geben es zwar nicht zu, wenn man sie beim alltäglichen Rassismus ertappt, aber sie hören im Hintergrund auf Volkes Stimme!
Als ich dies Professor Sankai Yoshiyuki von der Tsukuba-Universität erzählte, dem profunden Science-Fiction-Kenner und Erfinder des genialen Roboter-Anzugs HAL, mit dessen Hilfe im wirklichen Leben Lahme wieder gehen können, nahm er es mit Humor:

In Wirklichkeit würde ein japanischer Pflegeroboter heute mit einem Sprachlernmodul ausgeliefert, mit dem er binnen kurzem sein Deutsch-Niveau von der obersten Stufe auf das schlechte Deutsch der Deutschen, denen er zu dienen hätte, absenken würde.

So dürfte es in gar nicht allzu ferner Zukunft kommen. Aber die Reaktion des deutsch-donaldistischen Feuilletons ist schon jetzt absehbar:

ÄCHZ!


1FAZ Nr. 142, 22.6.2018, S. 13.
2„Der blaue Lotos“, 1934.
3„Gallien in Gefahr“, 2005.
4FAZ Nr. 151, 3.7.2018, S. 13.

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