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Dienst und Leistung

Japans Dienstleistungsgesellschaft! Nach wie vor des Landes größtes Kapital. 10 Tage nach dem Einkauf will ich einen Elektronikartikel bei Big Kamera zurückgeben. Der Verkäufer fragt freundlich nach dem Grund, akzeptiert ihn und beginnt mit der Rücknahmeprozedur. Die Kreditkarte, mit der ich bezahlt hatte, habe ich natürlich mitgebracht — nicht aber die „Point card“, mit der mir Rabattpunkte gutgeschrieben worden waren. Die Prozedur stockt. Ohne Rabattkarte geht es logischerweise nicht weiter. Der Verkäufer bitte mich, mit der Ware und allen Karten nochmals zu kommen, ich hätte ja noch einen Monat Zeit.
Es ist der Abend vor meinem Rückflug nach Deutschland. Völlig ausgeschlossen, nochmals hierherzukommen. Ich erkläre das dem Verkäufer und gebe auf. Dann eben nicht.
Den Verkäufer rührt das. Es ist seine Aufgabe, Kunden glücklich zu machen. Moment, sagt er, berät sich mit Kollegen und ruft schließlich einen Vorgesetzten herbei, der ohne jedes Zögern die alte Buchung storniert und ohne den zurückgegebenen Artikel neu eingibt — mitsamt den zustehenden Rabattpunkten. Natürlich nur ausnahmsweise.
Aber gerade wegen solcher Ausnahmen fühlt man sich als Kunde in Japan so wohl.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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