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Japans Antwort auf Me too: „Tauscht doch die Frauen gegen Männer aus“

Der von einer Fernsehjournalistin der sexuellen Belästigung geziehene Staatssekretär im japanischen Finanzministerium ist am 24. April aufgrund des öffentlichen Drucks von seinem Posten zurückgetreten. Das Ministerium verfügte zudem, daß sein Gehalt für die nächsten sechs Monate um 20 % gekürzt wird.
Der stets für deftige Statements gute Finanzminister und Vize-Premierminister Asō Tarō 麻生太郎 schlug als Lösung solcher Probleme vor: „Ganz einfach: Tauscht alle verantwortlichen Journalistinnen durch Männer aus.“
Unter Japans mächtigen Männern ist offenbar immer noch die Ansicht verbreitet, daß Machtausübung und sexueller Mißbrauch zwei Seiten derselben Medaille darstellen. Insofern handelt es sich um eine konsequente Strategie. Als nun ein Oppositionspolitiker allerdings nachfragte, ob die Verbannung von Journalistinnen tatsächlich aus Sicht der Regierung offiziell geeignet sei, um sexuellen Mißbrauch zu bekämpfen, entschied sich das Kabinett am 27. April dann doch für eine andere Sichtweise: Nein, das sehe man nicht als geeignet an. Man empfehle, Männer und Frauen nicht sexuell zu diskriminieren.
Warum dann ein Minister, welcher nicht nur ungeeignete Äußerungen abgibt, sondern auch zur Führung seines Ministeriums offenkundig ungeeignet ist, nicht ganz einfach durch eine Frau ausgetauscht wird, erklärte die Regierung allerdings nicht.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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