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Schweres Beben vor Fukushima (aktualisiert)

Am Morgen des 22. Novembers 2016 kurz vor 6 Uhr hat sich vor der Küste der Präfektur Fukushima, 60 km von der Stadt Iwaki 岩城 entfernt, 30 km unter der Erde ein Beben der Magnitude 7,4 ereignet. Es war an vielen Orten der Hauptinsel Honshū zu spüren; maximal erreichte es v.a. In küstennahen Gegenden der Präfektur eine Intensität von 5- auf der 7-teiligen japanischen Skala.
Das japanische Wetteramt gab für Fukushima 福島 und Miyagi 宮城 eine Tsunami-Warnung heraus. Die Einwohner der Küstengebiete sollten sich umgehend in Sicherheit bringen. Mehrere Städte ordneten die Evakuierung aller Einwohner an. Bis morgens um 9 Uhr wurden Tsunami-Wellen bis zu 1,4 m Höhe gesichtet.
In einem Abklingbecken des außer Betrieb befindlichen AKW Fukushima II fiel für 90 Minuten die Kühlung aus. In Fukushima I wurde ein Tsunami kleinerer Ordnung beobachtet.
Die Tsunami-Warnung und alle Evakuierungsbefehle wurden bis 13 Uhr wieder aufgehoben.
Bislang wurden 12 Verletzte aus 4 Präfekturen gemeldet.
Eine geplante Verhandlung zwischen dem neugewählten, atomskeptischen Gouverneur von Niigata und der Stromgesellschaft Tepco wurde wegen des Erdbebens verschoben. Tepco ist Betreiber der Kernkraftwerke in Fukushima und möchte in Niigata 新潟 das Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa 柏崎刈羽 wieder hochfahren, das seit 2011 still liegt. Der Gouverneur ist dagegen. Erst am 20.11. hat allerdings ein Kernkraftbefürworter die Wahl zum Bürgermeister von Kashiwazaki 柏崎 gewonnen.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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