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Fünfter Atomwaffentest Nordkoreas

Um 0:30 h UTC am 9.9.2016 — entsprechend 2:30 h MESZ — registrierte der seismologische Dienst der USA (United States Geological Survey) 19 km nordöstlich der Stadt Sungjibägam in Nordkorea ein Beben der Magnitude 5,3, das sofort als „Explosion“ kategorisiert wurde. Diese Einschätzung ist einleuchtend, denn dort befindet sich das nordkoreanische Nuklarwaffentestgelände Punggye-ri 豐溪里 풍계리, wo seit 2006 sämtliche nordkoreanischen Atombombentest stattgefunden haben. Der Test erfolgte unangekündigt nur wenige Tage nach dem Ende des G20-Gipfeltreffens in Hangzhou (China), das Nordkorea bereits durch provozierende Raketentests gestört hatte. Ersten Einschätzungen zufolge war die eingesetzte Bombe stärker als je zuvor. Nordkoreas Medien Südkoreas Präsidentin Kim bezichtigte die Führung des Nachbarlandes nach dem erneuten, allen Verboten der Vereinten Nationen Hohn spottenden Test umgehend der „krankhaften Ruchlosigkeit“. Japans Außenminister Kishida telefonierte mit seinen amerikanischen und südkoreanischen Kollegen und forderte, den Druck auf das nordkoreanische Regime zu verstärken.
Auf der Website der nordkoreanischen Korea Central News Agency wurde am 9. September (dem als Nationalfeiertag begangenen Gründungstag Nordkoreas) eine Erklärung zur Nuklearwaffenforschung Nordkoreas veröffentlicht, in der es heißt:

Aufbauend auf den Plan der nordkoreanischen Arbeiterpartei, eine strategische Nuklearbewaffnung aufzubauen, haben wir Atomwaffenforscher und Techniker im nuklearen Testgelände des Nordens einen Atomwaffenversuch durchgeführt, um die Durchschlagskraft der neu entwickelten Atombombenköpfe zu beurteilen.
Der Sprengversuch der atomaren Köpfe verlief erfolgreich. Deshalb bedankte sich das Zentralkomitee der nordkoreanischen Arbeiterpartei herzlich bei uns …
In diesem Versuch konnten wir die Struktur, Funktion und Wirkung der Atombombenköpfe abschließend bestätigten, welche standardisiert und genormt wurden, damit sie auf Raketen mit strategischer Flugbahn aufgesetzt werden können, mit denen die Artillerie der Volksarmee Nordkoreas ausgerüstet ist. (…)

Das internationale Sprachrohr der chinesischen Kommunisten, die China Global Times, warnte seine Nachbarn hingegen in einem Kommentar, der Besitz von Atomwaffen bringe dem Land nichts: Sie seien eine Waffe zur Abschreckung gegen einen Angriff, doch die Überlegenheit der USA könne das arme Land nicht brechen; auf einen atomaren US-Erstschlag könne Nordkorea überhaupt nicht mehr reagieren. Nordkorea habe für die Atomwaffen seine wirtschaftliche Entwicklung geopfert und sich international isoliert. Statt das Land zu stärken, sei deshalb nur die Krise in Ostasien verschärft worden — zum Nachteil Nordkoreas.

Nordkoreas Atomwaffentests

DatumUhrzeit (UTC)PositionMagnitudeStärke (KT TNT) (geschätzt)
9.10.20061:3541.311°N 129.114°E0,7-2
25.5.20091:0041.306°N 129.029°E4,55-12
12.2.20132:5841.30°N 129.004°E5,15-12
6.1.20161:3041.300°N 129.047°E5,16-9
9.9.20160:3041.298°N 129.015°E5,310-30
3.9.201703:3041.343°N 129.036°E6,3100-150
Angaben über Uhrzeit, Magnitude und Position nach USGS

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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