Artikelformat

Südkoreas Regierung läßt „korrektes Geschichtslehrbuch“ schreiben

Der gegenwärtigen südkoreanischen Regierungspartei Sänuri und der von ihr gestellten Regierung von Präsidentin Park sind die gegenwärtigen Geschichtslehrbücher zu links, zu anti-amerikanisch und zu pro-nordkoreanisch. Von den 22 Autoren der bisher benutzten 8 Lehrbücher für den Geschichtsunterricht an Oberschulen seien 10 der (linken) Gewerkschaftsbewegung verbunden; überhaupt seien 90 Prozent der Historiker Linke, und ihre Bücher gäben die koreanische Geschichte nicht korrekt wieder, so äußern führende Sänuri-Politiker. Sie sollen ab 2017 (wenn Geschichte zum Pflichtfach für Universitätsaufnahmeprüfungen wird) deshalb durch ein einziges, vom Staat selbst verfaßtes Lehrbuch abgelöst werden. Es soll „Das korrekte Geschichtslehrbuch“ heißen.
Im Bildungsausschuß des südkoreanischen Parlaments kam es darüber zu heftigem Streit mit der Opposition. Die (linken) Oppositionellen werfen der Regierung vor, die autoritären Regimes der Präsident Yi Sungman (Syngman Rhee) und Park Chunghee (Vater der gegenwärtigen Präsidentin) schönschreiben zu wollen. Fast 16.000 Lehrer haben seit September die Protesterklärung unterschrieben, die auch von zahlreichen Geschichtsprofessoren unterstützt wird.
Das neue Schulbuch soll auch das Verhältnis zu Japan neu beschreiben. Der Regierungspartei reicht es nicht, daß die bisherigen Lehrbücher die „Trostfrauen“-Problematik meist nur kurz behandeln. Dies verhindere ein korrektes Verständnis der Auseinandersetzung mit Japan. Falls tatsächlich ein staatliches Lehrbuch eingeführt wird, stelle sich Südkorea damit auf dieselbe Stufe wie Nordkorea, Nazi-Deutschland und Japan vor 1945 und bringe sich international in Verruf, kritisiert dagegen die Opposition.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

Drucken / Print / 印刷

Kommentare sind geschlossen.