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Vermehrte seismische Aktivität in Japan

Seit einigen Wochen treten vermehrt starke seismische Ereignisse in Japan auf. Über den befürchteten Vulkanausbruch des Hakoneyama habe ich bereits berichtet.

Am 25. Mai wurde Ostjapan von einem Erdbeben erschüttert, das in Teilen Tokyos und Umgebung immerhin mit Intensitätsstufe 4 zu spüren war. Seither gilt für vier japanische Vulkane (Aso auf Kyūshū, Shiraneyama bei Kusatsu, Hakoneyama, Azumayama) Alarmstufe 2 (d.h., die Krater sind gesperrt), für zwei weitere (Sakurajima und den bereits letztes Jahr ausgebrochenen Ondake) gar Stufe 3; d.h., diese Berge dürfen zur Zeit nicht bestiegen werden. Am 29. Mai explodierte der gleichfalls seit dem Sommer 2014 auffällige Vulkan Shindake in der Präfektur Kagoshima und stieß einen hochgiftigen pyroklastischen Strom aus; dort herrscht jetzt Alarmstufe 5, die Bewohner der Insel Kuchinoerabu 口永良部島 wurden evakuiert.

Am Abend des 30. Mai ereignete sich auf den Ogasawara-Inseln ein heftiges Erdbeben der Magnitude 8,5, dessen Zentrum jedoch so tief unter der Erdoberfläche lag, daß es keinen Tsunami auslöste. Es war in der Präfektur Saitama mit Intensitätsstufe 5/schwach zu spüren, in weiten Teilen Ostjapans einschließlich der Innenstadt von Tokyo mit Intensität 4. Wie üblich wurde der Zugverkehr vorübergehend eingestellt. In Teilen Tokyos fiel sogar der Strom aus.

Erdbeben vom 30.5.2015 (Quelle: Japanisches Wetteramt)

Man muß davon ausgehen, daß alle diese Ereignisse zusammenhängen.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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