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Baidus Japanisch-Software unter Spionageverdacht

Seit 2010 vertreibt Baidu 百度, das in der VR China ansässige Internetportal, unter dem Motto „Japanisch-Eingabe mit Spaß“ (Tanoshii Nihongo Nyūryoku 楽しい日本語入力) kostenlos ein Eingabesystem (IME) für Japanisch namens Baidu IME auf Windows-Rechnern.
Während in Nutzerkreisen bisher vor allem die emotionsgeladene Prozedur zum Entfernen von Baidu IME für Aufsehen sorgte, berichtet eine japanische Firma für Internet-Sicherheit, NetAgent, daß Baidu IME ungewöhnlich viele Eingabe-Daten an den Baidu-Server zurückmeldet, nämlich sämtlichen Text, der in Doppelbytes geschrieben ist (also v.a. Hiragana-Zeichen, die anschließend in Kanji konvertiert werden sollen), plus die Nutzernummer (UID) des eingebenden Computers sowie das zur Eingabe benutzte Programm nebst dessen Speicherort auf der Festplatte. Baidu IME sendet diese Informationen offenbar auch, wenn in den Einstellungen die Benutzung der Baidu-Cloud ausdrücklich abgewählt wurde.
Beispielseite für Datenfluß über Baidu IME
Nun ist es üblich, daß die „lernfähigen“ IMEs von Google, Just usw. die Benutzereingaben auswerten, um sich selbst zu verbessern. Aber die Kombination dieser Daten mit den Nutzerdaten ist, gelinde gesagt, ungewöhnlich und macht argwöhnisch. Es kann also gut sein, daß sich um ihre Datensicherheit besorgte Nutzer dann doch den zu Herzen gehenden Anblick der Baidu-Deinstallationsbegleiterin zumuten werden.
Abschied von Baidu IME

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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