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Immaterielles Weltkulturerbe: Ostasien im Rauschzustand

Die UNESCO hat auf ihrer Sitzung in Baku Anfang Dezember 2013 ihre Liste des immateriellen Weltkulturerbes um 25 Objekte (?) erweitert. Darunter befinden sich:

  • washoku 和食, hier definiert als „traditionelle Eßkultur der Japaner, insbesondere für die Neujahrsfeier“; u.a. mit der Begründung: „Washoku plays an important role in strengthening social cohesion among the Japanese people while providing them a sense of identity and belonging“;
  • kimjang 김장, die Zubereitung von Kimchi, weil des den Koreanern erlaubt „to practise the spirit of sharing among neighbours, while promoting solidarity and providing them a sense of identity and belonging“; und
  • zhusuan (jap. shusan) 珠算, das Rechnen mit dem chinesischen Abakus (soroban 算盤), denn es gibt „der Welt ein alternatives Wissenssystem“.

Natürlich haben die jeweiligen nationalen Mediensysteme diese großartigen Nachrichten gebührend gefeiert, doch bevor nun auf dieser Grundlage ein neuer Diskurs über überlegene ostasiatische Werte und die Essenz ostasiatischer Identität entsteht, noch ein kleiner Hinweis zum Stellenwert dieser Prämierung: Ebenfalls in den Stand der Unsterblichkeit erhoben wurden in diesem Jahr u.a. auch die türkische Kaffeekultur, die Mittelmeerküche und das Garnelenfischen mit Pferden in Ostdünkirchen. Diese belgische Kleinstadt lebt übrigens vom Tourismus. 2015 soll unbestätigten Gerüchten zufolge der Dithmarscher Mehlbüdel folgen.
Hony soit qui mal y pense.

Unsterbliches Weltkulturerbe in Aktion

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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