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Fusion I: Japan in Taiwan

Taiwan ist (nach dem Krieg) schon immer dafür dankbar gewesen, daß Japan seine Hand mehr oder weniger schützend über die Insel hält — natürlich auch im eigenen Interesse. Nicht zuletzt wirtschaftlich läuft es zwischen beiden Ländern sehr rund. 2005 hat Japan den Taiwanern erlaubt, visumfrei als Touristen einzureisen. Und im Gegenzug erfreuen sich japanische Konsumgüter auf der grünen Insel höchster Beliebtheit. Gar nicht besonders erscheint dabei ein Bild wie dieses: Ein Nissan Corolla mit einem „Hello Kitty“-Aufkleber — dieses Bild könnte man heute fast auf der ganzen Welt finden (Nordkorea vielleicht ausgenommen).

Corolla und Kitty Auffälliger ist, daß japanische Firmen heute ohne weiteres auf japanisch werben — ohne jede chinesische Übersetzung. Das spricht für den hohen Markenwert der japanischen Sprache auf der Insel; oder jedenfalls, wie hier, in der U-Bahn von Taipei.

Tsubaki

Am interessantesten ist vielleicht jedoch, daß die japanische Sprache, genauer gesagt: Schrift, ins Taiwan-Chinesische Eingang gefunden hat. Das letzte Bild zeigt den „Hosanna-Bus“, das Vehikel einer taiwanischen christlichen Missionsgesellschaft, mit dem schönen chinesischen Schriftzug: „Dein bester Freund: Jesus“. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, daß die chinesische Genitivpartikel (的 ) mit dem japanischen Silbenschriftzeichen の (no) wiedergegeben wird, das ebenfalls den Genitiv markiert!

— Alle Fotos stammen vom Mai 2007. —

Der beste Freunde

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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