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Experten uneins: Steht ein großes Erdbeben in Ostjapan bevor?

Die Zeitung Mainichi Shinbun geht am 5.12. der Frage nach, ob die Erdbeben der letzten Monate in der Kantō-Region (= Ostjapan) Vorboten eines neuen großen Erdbebens sein könnten.
Zu den auffälligen Ereignissen der letzten Zeit zählen:

Die drei Erdbeben fanden jedoch in 60-70 km Tiefe statt und sind deshalb nicht mit dem befürchteten „GAE“ (größtes anzunehmendes Erdbeben: Erdbeben in 30-40 km Tiefe unterhalb Tōkyōs) in Verbindung zu setzen.

Gleichwohl meint ein Seismologe der Tōhoku-Universität, Prof. Tōda Susumu, daß die jetzigen Aktivitäten ein großes Erdbeben in naher Zukunft wahrscheinlich sein lassen. Alle drei Erdbebenherde lagen in einer vom Tsukuba-Berg bis in die Stadt China verlaufenden kritischen Erdbebenzone, in der die Pazifische Platte vom Osten her und die Philippinische Meeresplatte vom Süden her nach unten gedrückt werden. Nach Tōdas Berechnung hat die Erdbebenaktivität sich hier seit dem 11.3.2011 verdreifacht. Viele kleinere Erdbeben erhöhen nach seinen Worten die Wahrscheinlichkeit, daß bald auch größere auftreten.

Dem widerspricht jedoch Prof. Furumura Takashi, Seismologe an der Tōkyō-Universität. Es handele sich immer noch um Nachbeben, die dem 11. März 2011 zuzurechnen seien. Die japanische Tektonik befinde sich auf der Rückkehr zur Normalität. Freilich verschöben sich diese Nachbeben allmählich vom damaligen Erdbebenzentrum in die Peripherie, also nach Hokkaidō im Norden und die Halbinsel Awa im Süden. Deshalb sei dort die Gefahr gewachsen, daß durch solche Nachbeben erneut große Tsunamis ausgelöst würden. Ein Erdbeben „von gerade unten“ (chokka 直下, der schlimmste befürchtete Fall) drohe jedoch nicht.

Großen Erdbeben gehen häufig Vulkanausbrüche voran. Doch der jetzige Ausbruch auf der Insel Nishinoshima bedeutet nach Expertenmeinung keine unmittelbare Gefahr für Ostjapan: Die Insel im Ogasawara-Archipel liegt auf der Philippinischen Meeresplatte und damit viel zu weit von Japan entfernt.