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Absurder Streit zwischen Japan und Korea um Itō Hirobumi und An Junggŭn

Südkoreas neue Präsidentin Pak Kŭn-Hye 박근혜 朴槿惠 läßt keine Gelegenheit aus, um Japan demonstrativ eins auszuwischen. Jedenfalls ist das der Eindruck, den japanische Politiker von ihr haben. Als Pak im Juni die VR China besuchte (auf japanischen Boden hat sie ihren Fuß bisher noch nicht gesetzt), schlug sie Chinas Staatsführung vor, in Harbin 哈爾浜 ein Denkmal für An Junggŭn 安重根 zu errichten — jenen Mann, der 1909 dort Itō Hirobumi 伊藤博文 ermordete, den japanischen Politiker und ehemaligen Generalresidenten in Seoul, den An für die fortschreitende Kolonialisierung seines Vaterlandes verantwortlich machte. Die Japaner machten An den Prozeß und ließen ihn hinrichten. Seither gilt er in Kreisen koreanischer Patrioten als vorbildlicher Freiheitskämpfer und Nationalheld. Es war Pak Kŭn-Hyes eigener Vater, Präsident Pak Jŏng-Hŭi 박정희 朴正熙 (der in der Kolonialzeit selbst auf Seiten der Japaner stand), der An auf dem Namsan 南山 in Seoul eine Gedenkstätte errichten ließ. Die Südkoreaner lieben ihren An.
Das kann man von den Japanern nicht behaupten, schließlich gilt er in japanischen Schulbüchern als Mörder ihres beliebtesten Politikers der Meiji-Zeit. Itō ist für Japan ein Symbol der Modernisierung und des Aufschließens zum Westen, den sie bis heute dafür lieben und verehren. Seine Rolle bei der Kolonialisierung Koreas wird dagegen wenig beleuchtet.
Kabinettsminister Suga Yoshihide 菅義偉 hat deshalb beleidigt und beleidigend reagiert, als Präsidentin Pak nach einem Gespräch mit Chinas Außenminister von guten Fortschritten in Sachen Denkmalbau sprach. Er nannte An einen Verbrecher; die japanische Regierung habe diese Auffassung auch der koreanischen Seite mitgeteilt. Der Bau eines Denkmals für An diene nicht den japanisch-koreanischen Beziehungen. Worauf die koreanische Regierung prompt ihr Bedauern über die Unfähigkeit der japanischen Regierung ausdrückte, Geschichte objektiv zu betrachten.

Solange Nationalismus auf beiden Seiten von Ost- und Japan-See Wählerstimmen sichert, werden solche Kindereien wohl weitergehen.

Mein Foto zeigt übrigens die lebensgroße Nachbildung der Ermordung Itōs durch An Junggŭn, die in der nationalen Gedenkstätte in Chŏnnan aufgebaut ist. Es besteht also nicht gerade ein Mangel an Denkmälern. 2011 wurde ihm sogar im japanischen Fukuoka eines errichtet — allerdings in einem Tempel, was für einen bekennenden Katholiken ein wenig merkwürdig anmutet.

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