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Asō widerruft Nazi-Äußerung

Nachdem wegen seiner Äußerung, Japan solle in der Frage der kontroversen Verfassungsänderung von den Nazis lernen, heftige Kritik entbrannte, hat Japans Vizepremier Asō Tarō sich zum Widerruf entschlossen. Er sei mißverstanden worden; niemals habe er vorgehabt, die Nazis zu loben. Er wolle lediglich erreichen, daß die Debatte ruhig und überlegt geführt werde. Auch Regierungssprecher Suga betonte, Japan sei nach dem Zweiten Weltkrieg eine auf die Achtung der Menschenrechte gegründete Demokratie und werde diese Haltung nicht verändern.
Asō und Suga reagierten damit wohl weniger auf Rücktrittsforderungen, die aus der japanischen Opposition erhoben wurden, als vielmehr auf die heftige Kritik aus den USA: Das Simon-Wiesenthal-Zentrum empörte sich über Asōs Affront, gegen den sich auch der südkoreanische Außenminister verwahrte.
Laut Suga ist die Affäre hiermit beendet. Das bleibt abzuwarten. Der Widerstand gegen die geplante Verfassungsänderung dürfte nun allerdings Auftrieb erhalten. Insofern hat die Sache auch ihr Gutes.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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