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Ursache und Wirkung

Südkoreas Präsident Lee Myung-bak gab beim ASEAN-Gipfel in Pnom Penh Japan die Schuld an den aktuellen Spannungen in Ostasien. „Japans Rechtsruck ist Anlaß zur Sorge für seine Nachbarländer“, sagte er am 19.11.2012. Damit hat er recht. Allerdings verwechselt er Ursache und Wirkung. Daß nach drei Jahren einer Mitte-Links-Regierung in Japan sich ein Rechtsruck abzeichnet, ist nicht zuletzt auf die verschärften Provokationen aus beiden Koreas und China zurückzuführen. Spätestens 2011 ist den Nachbarländern das, was vielleicht als kontrollierte Herausforderung Japans gedacht war, völlig aus dem Ruder gelaufen. Die Chance, das Verhältnis nachhaltig zu verbessern, ist auf allen Seiten aus kurzfristigen taktischen, im wesentlichen innenpolitischen Gründen vertan worden. Sie wird so bald nicht wieder kommen.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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