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Deutsche Post: Vor und hinter dem Schalter stehen

Nachdem ich 20 Minuten lang geduldig in der Schlange gewartet habe, präsentiere ich der Postbediensteten das Paket, das ich aufgeben will, nebst dem Paketzettel (den ich natürlich vorher bereits ausgefüllt habe). Die blau-gelbe Bedienstete herrscht mich an: „Warum hamse den nicht selbst aufgeklebt?“ (Ein Handgriff, der sie etwa 5 Sekunden kostet.)
Mir fehlte eine passende Antwort. Ich sagte nur: „Weil ich nicht wußte, ob es wirklich als Paket abgeht oder vielleicht doch als Brief.“ Für die nächste Gelegenheit hier einige passendere Antwortvorschläge:
— „Damit Sie mich anpflaumen können, weil ich so blöd war, hier 20 Minuten in der Schlange zu stehen.“
— „Um Ihnen Ihre Arbeit nicht wegzunehmen.“
— „Ich wollte nur einmal Ihre Stimme hören.“
Wie sagte Kurt Tucholsky doch so weise?
„Des Deutschen Alptraum: Vor einem Schalter stehen. Des Deutschen Wunschtraum: Hinter einem Schalter sitzen.“
Daran hat sich seit seiner Zeit offenbar nichts geändert.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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