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Unfälle mit Schulkindern schrecken Japan auf

Wie schon vor einem Jahr, kam es in Japan in den letzten Tagen zu einer tragischen Serie von schweren Verkehrsunfällen mit Schulkindern. In Kyoto-Kameyama fuhr am 23. April ein 18-jähriger ohne Fahrberechtigung in eine Gruppe von Grundschülern und Eltern; ein 7-jähriges Mädchen und eine 26-jährige Frau kamen dabei ums Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt. Der Täter gab an, am Steuer eingenickt zu sein. Seine beiden 18-jährigen Mitfahrer wußten, daß er keinen Führerschein besaß. In Tateyama (Präf. Saitama) starb am 27.4. ein Erstklässler, als ein 20-jähriger Hilfsarbeiter in eine Gruppe von Schülern und Erziehern fuhr, die an einer Bushaltestelle warteten. In Okazaki (Präf. Aichi) wurden am selben Tag ein 8-jähriges Mädchen und ein 10-jähriger Junge beim Überqueren eines Fußgängerüberwegs von einem Lieferwagen überfahren und schwer verletzt. Der 24-jährige Fahrer gab an, beim Fahren gedöst zu haben.
Die Behörden in Saitama und Ibaraki haben jetzt angekündigt, die Schulwege auf ihre Sicherheit überprüfen zu lassen. Bereits 2011 hatte es Diskussionen um das häufig praktizierte „kollektive Zurschulegehen“ (shūdan tōkō 集団登校) gegeben.
Dabei ist die Zahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten in Japan seit Jahren rückläufig. 2011 waren es 4.611 Personen (-5,2%) bei 691.000 Unfällen. So wenige waren es zuletzt 1951. Die Zahl der Verletzten betrug 852.000; dies ist die niedrigste Zahl seit 18 Jahren.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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