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Japans Suizidstatistik 2011: Rückgang — aber wie lange?

Am 9. März gab Japans Regierung die Suizidstatistik für 2011 bekannt. Danach nahmen sich 30.651 Menschen (davon 20.955 Männer = -6 % und 9.696 Frauen = +3 %) das Leben; das sind 1.039 weniger als 2010. Allerdings ist die Kurve nicht ohne Probleme, denn den Höhepunkt erreichten die Freitode im Mai (3.375) — was jahreszeitlich unüblich ist; normalerweise sind der März und April die Monate mit den meisten Selbsttötungen. Weiter fällt auf, daß die Zahl der 30jährigen um 44 % und die Zahl der Arbeitslosen um 40 % angestiegen ist. Der Anteil der Frauen lag mit 33 % so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr.
Offiziell werden nur 55 Fälle mit der nuklearen Erdbebenkatastrophe im März in Verbindung gebracht. In den drei betroffenen Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima lag die Zahl mit 1.409 um 15 % niedriger als im Vorjahr. Freilich weisen Experten darauf hin, daß dieser Rückgang direkt nach Naturkatastrophen nicht ungewöhnlich ist: So war es auch nach dem Erdbeben in Kōbe-Ōsaka-Awaji 1995. Danach allerdings stiegen die Suizidzahlen in der betroffenen Region drastisch an — insbesondere unter Menschen, die lange Zeit in Notunterkünften lebten.
Man wird also abwarten müssen, wie sich die Zahlen in den kommenden Jahren entwickeln. Ohnehin ist die Suizidrate (also die Zahl der Selbstmorde je 100.000 Einwohner) statistisch interessanter als absolute Zahlen. Sie liegt bei japanischen Männern seit 1998 konstant über 30 — bei Frauen weniger als halb so hoch (s. Abbildung).

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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