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Bittere Wahrheiten für Präfektur Fukushima

Kurz vor seinem Abschied als Ministerpräsident hat Kan Naoto 菅直人 dem Gouverneur der Präfektur Fukushima mitgeteilt, daß kein Weg daran vorbeiführe, radioaktiv kontaminierte Erde und anderen Müll in der Präfektur zwischenzulagern. Erst wenn die Präfektur dazu ihr Einverständnis gebe, könne man mit der Entsorgung beginnen. Zudem sei damit zu rechnen, daß die aus der Umgebung des AKW Fukushima I evakuierte Bevölkerung für lange Zeit nicht mehr zurückkehren könne. Der Gouverneur, Satō Yūhei, 佐藤雄平, zeigte sich überrascht und nannte die Mitteilung einen „Schock“ für die Betroffenen. Bei einer gemeinsamen Beratung der nationalen Regierung mit der Präfekturregierung kam heraus, daß damit zu rechnen ist, daß hoch verstrahlte Ortschaften lange Zeit nicht bewohnt werden können: Wo jetzt eine Jahresdosisleistung von 150 mSv gemessen wird, rund 20 Jahre; bei 100 mSv 10 Jahre.

Am 25. August begann in Fukushima die Untersuchung der diesjährigen Reisernte auf Radioaktivität. Von fünf untersuchten Ortschaften wurde dabei nur in unpoliertem Reis aus Nihonmatsu 二本松 eine leichte Kontamination mit Cäsium 137 von 22 Bq/kg ermittelt (der Grenzwert liegt bei 500 Bq/kg). Nach dem Waschen und Schälen war keine Radioaktivität mehr nachweisbar. Nihonmatsu liegt 56 km nordwestlich vom AKW Fukushima I. Am 25. wurden auch in unpoliertem Reis aus Shiroi 白井 in der Präfektur Chiba 47 Bq/kg Cäsium 137 ermittelt. Shiroi liegt 202 km südlich vom AKW Fukushima I.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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