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iPhone und iPad als Helfer gegen Erdbeben und Radioaktivität

Findige Köpfe machen aus der Not eine Tugend — oder ein Geschäft. Die kostenlose Anwendung Yurekuru („Beben kommt“) reicht Blitzwarnungen des japanischen Wetteramtes vor Erdbeben an die Benutzung von iPhones und iPads weiter — hoffentlich rechtzeitig. Man kann einstellen, ab welcher erwarteten Stärke man gewarnt werden will und in welcher Gegend Japans man sich aufhält. Der Dienst wird durch Werbung finanziert. Die Zahl der Japaner, die sich solche Warnungen auf ihre Mobiltelefone leiten lassen, ist nach dem 11. März sprunghaft gestiegen.
Ein weiteres Angebot für iPhone/iPod Touch/iPad-Benutzer nennt sich Smart Radiation Detector. Die Idee einer internationalen Entwicklergruppe in Japan ist, aus billigem Zubehör ein kleines Meßgerät zu bauen, das Radioaktivität ab 0,5 uSv/h aufspüren und auf einem angeschlossenen mobilen Gerät darstellen kann. Der Preis soll bei weniger als 50 Dollar liegen. Da Geigerzähler inzwischen entweder deutlich teurer oder erst gar nicht lieferbar sind, ist die Idee sicher nicht schlecht. Allerdings gibt es bislang kaum öffentliche Testergebnisse und damit keine Garantie, daß es auch wirklich funktioniert, und wann die Serienproduktion beginnt, ist ebenfalls unklar. Zudem ist die Empfindlichkeit so grob, daß sich der Einsatz wohl nur in wirklich verstrahlten Gegenden wie im japanischen Nordosten lohnt.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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