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Unbewohnbar? — „Tagesschau“ verbreitet neue Falschmeldung

Einen schlechten Aprilscherz leistete sich die „Tagesschau“ des NDR am 1.4., 20:04 Uhr. Wörtlich wurde dort gemeldet:

Die (japanische) Regierung geht davon aus, daß die Gegend um Fukushima langfristig nicht mehr bewohnbar ist.

Was steckt hinter dieser Meldung? Möglicherweise eine Meldung von „Reuters“ vom 1.4., 13:30 Uhr, in der es heißt:

Die Anwohner des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima werden nach Einschätzung der Regierung in Tokio für lange Zeit nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Die Evakuierung des Katastrophengebiets sei langfristig angelegt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Freitag.

Jedenfalls wird Reuters als Quelle einer ähnlichen Meldung in der „Frankfurter Allgemeinen“ vom 2.4., S. 1, angegeben.

Was hat Regierungssprecher Edano am 1.4. aber tatsächlich gesagt?

Es ist nicht zu bezweifeln, daß es die Lage nicht erlaubt, die Evakuierung binnen weniger Tage oder weniger Wochen vollständig aufzuheben.
数日とか数週間で、避難を全面的に解除できる状況でないことは間違いない

Es werde aber erwogen, der Bevölkerung vorübergehende Besuche in ihren Häusern zu ermöglichen.
Mehr hat er nicht gesagt. Von einer „langfristigen Unbewohnbarkeit“ der Region war überhaupt nicht die Rede!

Die Manipulation der deutschen Öffentlichkeit durch Medien, die ihrer Aufgabe schon rein sprachlich nicht gewachsen sind, geht also munter weiter. Und der NDR-Rundfunkrat applaudiert!

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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