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Foxconn-Selbstmordserie: Apple & Co. droht Imageschaden

Tänzer, Sänger, Sportlehrer und buddhistische Mönche hat Taiwans größtes privates Unternehmen Hon Hai Precision Industry / Foxconn 富士康 aufgeboten, um eine Serie von Selbstmorden in seiner 420.000-Mann-Produktionsstätte in der volksrepublikanischen 12-Millionen-Stadt Shenzhen 深圳 zu stoppen. Bisher sind in diesem Jahr bereits 10 junge Männer von Hochhausdächern der Fabrik zu Tode gestürzt; weitere 30 konnten vom tödlichen Sprung abgehalten werden.
Die elektronischen Produkte der Firma werden im Westen unter dem Namen Foxconn vertrieben, in Ostasien dagegen als WinFast. Großkunden sind u.a. Intel, Dell, Sony — und Apple, das seine iPhones und iPads hier produzieren läßt. Nachdem 2006 schwere Anschuldigungen wegen unerträglicher Arbeitsbedingungen bei Foxconn erhoben worden waren, hatte Apple bereits eine Untersuchung veranlaßt. Nun hat eine südchinesische Zeitung einen getarnten Reporter ins Werk geschickt — Gizmodo hat die erschütternden Ergebnisse veröffentlicht: Die jungen Männer arbeiten unter leibeigenschaftsähnlichen Bedingungen; viele stehen sieben Tage in der Woche acht Stunden lang am Fließband, nur durch kurze Essenspausen unterbrochen — und Besuche im Internet-Café oder im Wettbüro. Für ein Privatleben bleibt keine Zeit. Das Monatsgehalt fängt bei rund 100 Euro im Monat an. Das häßliche Gesicht der Globalisierung eben — und keine gute Werbung für Apple & Co.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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