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Handschrifterkennung auf dem iPod Touch: HWPen

Die Beta-Version eines neuen Programms für iPhone/iPod Touch bringt diese feine Gerät wieder ein Stückchen näher zum Ideal eines für Ostasien-Interessierte geeigneten PDAs: HWPen (Hanwang Handwriting IME) ist der Versuch, eine Handschriftenerkennung für chinesische Schriftzeichen ins Betriebssystem zu integrieren. Es klappt auch ganz gut, wenngleich nur für volksrepublikanische Kurzzeichen (簡体字) — aber es hat auch einen (für deutsche Leser wohl noch nicht akzeptablen) Nachteil. (Bilder in Großformat wie üblich in meiner iPod-Galerie.)
HWPen ersetzt nach einem Reboot den „123“-Knopf links unten in der Tastatur mit einem eigenen Symbol. Das ist verschmerzbar, da man die Zahlen auch über HWPen eingeben kann. Sinnlos ist dagegen, daß HWPen in den europäischen Tastaturen die Eingabe von Sonderzeichen über die Dauertastenfunktion verhindert. Es ist also nicht möglich, Umlaute oder „ß“ einzugeben. Das ist der Grund, warum deutsche Benutzer HWPen wohl nur zu Übungszwecken installieren werden. (Um es zu deinstallieren, ist übrigens ein Hardware-Reboot nötig; sonst bleibt der iPod hängen: gleichzeitig auf HOME- und AUSSCHALT-Taste drücken.)
HWPen-TastaturHWPen-TextfeldFür die Eingabe selbst stehen zwei Modi zur Verfügung:
Ein Textfeld erlaubt, mehrere Zeichen (oder ganze Wörter) auf einmal einzutragen (was eher schlecht als recht klappt).
Für die Eingabe einzelner Zeichen gibt es ein „Fadenkreuz“, das schon ziemlich exakt funktioniert. Man kann entweder das gesamte Feld ausnutzen und dann bei komplexen Zeichen die Radikale usw. einigermaßen exakt positionieren. Oder man trägt lateinische Buchstaben auf der linken Hälfte, die auf die Erkennung der lateinischen Schrift spezialisiert ist, und Ziffern auf der rechten Hälfte ein: Die Treffergenauigkeit ist dann ziemlich hoch.
Was HWPen erkannt hat, zeigt es dann in einem weißen Auswahlfeld neben dem „Fadenkreuz“ an. Das zuerst stehende Zeichen wird automatisch in den Text eingefügt; tippt man auf ein anderes Zeichen der Auswahlliste, wird es im Text sofort korrigiert. Das klappt sehr gut — vorausgesetzt, das Zeichen, das man eingeben wollte, wird überhaupt angezeigt. HWPen-EingabefeldHWPen-Auswahlfeld
Insgesamt zeigt HWPen sehr schlüssig und interessant auf, welche hohen Erwartungen man an die bald bevorstehende Betriebssystem-Revision 2.0 stellen kann. Ich nehme an, daß bereits Hunderte von Programmen in Vorbereitung sind, die auf solche oder ähnliche Weise den iPod zu einem Top-Arbeitsgerät für Japan- und China-Interessierte machen werden. Noch mehr, als es bereits jetzt der Fall ist. Daß dabei sehr rasch auch Software sein wird, die (anders als HWPen) auch japanische Handschriftenerkennung ermöglichen wird, ist selbstverständlich. Wer darauf bereits einen Vorgeschmack haben möchte, sollte HWPen jedenfalls einmal ausprobieren.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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