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Ozawa kritisiert Christentum, Islam und westliche Gesellschaft

Der für gelegentlich undiplomatische Äußerungen bekannte Generalsekretär der regierenden Demokratischen Partei Japans, Ozawa Ichirō, hat nach einem Besuch beim Leiters des Verbandes buddhistischer Kirchen in Japan den Buddhismus als Religion gelobt, die den Menschen in den Mittelpunkt stelle und damit der japanischen Gesellschaft aus der Krise helfen könne. Christentum und Islam dagegen, die er als selbstgerecht und „äußerst exklusiv“ bezeichnete, seien dafür nicht geeignet: Die westlichen Gesellschaften seien durch das Christentum in eine Sackgasse geführt worden. Der Islam sei ein Stückchen besser, aber gleichfalls exklusiv.
Japans Medien werten Ozawas Äußerungen als Versuch, vor der Oberhauswahl in Japan im nächsten Jahr um die Unterstützung durch buddhistische Organisationen zu werben. Allerdings ist damit auch klar, daß er die Zustimmung christlicher und (in Japan weniger wichtiger) islamischer Gruppen damit nicht gewinnen wird — und auch die Nachbarstaaten, insbesondere das weitgehend christianisierte Südkorea, werden sich nicht begeistert zeigen. Die USA vielleicht auch nicht. Immer deutlicher zeigt sich, daß Japans neue Regierungspartei eine Meisterin des Populismus ist — wenn es um die Innenpolitik geht.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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