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Makro-Fotos mit dem iPhone

Nachdem ich mir ein (gebrauchtes) iPhone 3G zugelegt habe, wollte ich mir auch dessen Kamera zunutze machen — nicht nur für Schnappschüsse (für die das iPhone recht geeignet ist), sondern auch für Hilfstätigkeiten, die man als reisender Wissenschaftler gern ohne großen Zeitaufwand erledigen will: Belege (wie Quittungen, Kassenbons, Hotelrechnungen) und Visitenkarten speichern; ISBN-Nummern von Bücherkäufen oder -wünschen einscannen; Schriftstücke, denen man im Lese- oder Vortragssaal begegnet, dokumentieren; Detailaufnahmen in Dokumenten, Bauwerken usw. machen.
Von Hause aus ist die Kamera des 3G dafür wenig geeignet: sie läßt sich nicht fokussieren. Also dachte ich, dem mit Hilfe von Zusatzlinsen abzuhelfen.
Zunächst besorgte ich mir über Ebay aus Hongkong ein Set, das aus einer Makrolinse und einer Weitwinkellinse besteht; die Makrolinse ist magnetisch. Über einen Metallring, der vor das Kameraauge des iPhone geklebt wird, kann man sie an das iPhone ansetzen. Der Weitwinkel wird dann an die Makrolinse geschraubt.
Für Detailaufnahmen ist das bereits eine wunderbare Lösung. Allerdings ist die Vergrößerung zu groß, um damit ISBN-Nummern zu erfassen. Also mußte noch etwas anderes her.
Die Lösung fand ich in einer Einweg-Kamera von Fujicolor (in Japan: 1.200 Yen). Sie besitzt zwei Linsen: eine runde bildet das Objektiv. Auch sie vergrößert noch so stark, daß sie für Barcodes nicht brauchbar ist. Dafür aber kann man die viereckige Sucherlinse nehmen. Ihre Vergrößerung paßt haargenau.
Ich verfahre jetzt also in folgenden Stufen:
Für normale Schnappschüsse: ohne Zusatzlinse
Für Barcodes: Einwegkamera-Sucherlinse
Für einfache Detailaufnahmen: Einwegkamera-Linse
Für feinere Detailaufnahmen: magnetische Makrolinse
Für ganz feine Detailaufnahmen: Makrolinse + Einwegkamera-Linse (mit Klebestreifen vor die Makrolinse geklebt)
Die Ergebnisse sind, glaube ich, ganz beachtlich.
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Nun kann ich auch endlich ein Programm voll ausschöpfen, das ein Japaner entwickelt hat und mit dem man nicht nur Bücher, sondern auch andere Konsumgüter auf virtuellen Bücherregalen anordnen kann: ItemShelf. Vom Prinzip her gleicht es Delicious Library, das im Prinzip natürlich viel mächtiger ist, aber (1) nur auf Mac läuft und (2) dessen iPhone-Anwendung auf Betreiben von Amazon aus dem Applestore entfernt werden mußte. Auch mit ItemShelf kann man über die Kamera des iPhone direkt ISBN-Nummern einscannen (oder auch per Hand eingeben), um bei den weltgrößten Buchhändlern deren bibliographische Daten herunterzuladen. Das ist vor allem praktisch, wenn man in einer japanischen Buchhandlung oder Bibliothek steht und sich zunächst die Daten eines Buches, das man gern beschaffen möchte, notieren will — oder wenn man für Besprechungen mit Studenten usw. schnell eine Literaturliste zusammenstellen will.
Mit Hilfe der Einwegkamera-Sucherlinse klappt es einwandfrei, den Barcode auf dem Buchrücken zu erfassen — wie von Zauberhand werden dann die (meisten) Buchdaten automatisch geladen. Man kann sie auch per Email verschicken.

ItemShelf ItemShelf

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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